1. Mannschaft Aktueller Spieltag

Oberliga Baden - Saison 2021/2022| Oberliga 2021/2022 im BSV-Ergebnisdienst

Absteiger aus der 2. Schachbundesliga: -
Aufsteiger aus den Verbandsligen: SK Ladenburg | SF Sasbach

Mannschaftsführer: IM Heinz Fuchs

Fünfter Spieltag: 15.01.2023

SC Untergrombach

2273

-

SV Hockenheim

2282

3½ - 4½

SC Viernheim II 2324 - SF Sasbach (N) 2058

7 - 1

OSG Baden-Baden III 2239 - Karlsruher SF 2258

4 -4

SC Brombach 2305 - SK Ladenburg (N) 2105

6 - 2

BG Buchen 2196 - SK Ettlingen 2259

2½ - 5½

Fünfter Spieltag: Einzelergebnisse

Brett

SC Untergrombach

ELO  

SV Hockenheim

ELO Ergebnis
1 GM Solodovnichenko, Yuri 2514 - GM Baramidze, David 2601

0 - 1

2 GM Rogic, Davor 2448 - WIM Sieber, Fiona 2202

0 - 1

3 Nied, Pascal 2178 - IM Dr. Rau, Hannes 2445

1 - 0

4 FM Raupp, Thomas 2246 - IM Nekrasov, Mihail 2262

½

5 IM Fuchs, Heinz 2261 - FM Postoev-Birkenberg, Alexander 2284

0 - 1

6 FM Schneider, Bernd 2149 - Möldner, Jürgen 2213

½

7 FM Kountz, Jochen 2265 - FM Günthner, Oliver 2139

½

8 Krieger, Markus 2120 - Hierholz, Bernd 2112

1 - 0

* DWZ, da keine ELO vorhanden

Fünfter Spieltag: Tabelle

Rang

Mannschaft

Spiele Punkte BP BW ELO-Schnitt

1

SC Viernheim II

5

10:0

33

146½

2352

2 OSG Baden-Baden III 5 8:2 26½ 127

2292

3 Karlsruher SF 5 7:3 21½ 95½

2244

4 SC Brombach 5 6:4 22½ 95

2182

5 SK Ettlingen 5 6:4 17 76

2245

6 BG Buchen 5 4:6 18½ 85½

2244

7 SK Ladenburg (N) 5 3:7 17½ 80

2068

8 SC Untergrombach 5 3:7 16½ 68

2226

9

SV Hockenheim

5

3:7

15½

77

2241

8

SF Sasbach (N)

5

0:10

11

49½

2091

Der Meister der Oberliga Baden steigt auf in die zweite Bundesliga Süd. Die beiden letztplatzierten Mannschaften steigen ab. Steigen aus der zweiten Schachbundesliga Süd mehr als zwei badische Vertreter ab, erhöht sich die Anzahl der Absteiger entsprechend. Badische Vertreter in den zweiten Schachbundesligen sind: SC Ötigheim, OSG Baden-Baden II, SF Bad Mergentheim, SV Walldorf, SC Eppingen.

Spielbericht

von Ralf Toth

Am fünften Spieltag stand eine wichtige Begegnung im Kampf um den Klassenerhalt in der Oberliga Baden auf dem Programm, der SC Untergrombach empfing den SV Hockenheim. Beide Vereine wussten um die Bedeutung der Begegung, auf Untergrombacher Seite standen die beiden Großmeister Yuri Solodovnichenko und Davor Rogic im Aufgebot, Hockenheim brachte gleich die Ranglistenpositionen eins bis acht, warf also alles in die Waagschale, was möglich war. Gespielt wurde erstmals in der Aula der Joß-Fritz-Schule, da der eigentlich Spielbereich augrund eines Störgeräuschs aus der Heizungsanlage nicht nutzbar war.


Auch in der Aula der Joß-Fritz-Schule lässt sich trefflich Oberligaschach spielen.

Das erste Ergebnis ließ nicht lange auf sich warten, am siebten Brett einigten sich FM Jochen Kountz und der lange Jahre für Untergrombach spielende Oliver Günthner auf Unentschieden nach elf Zügen. Dieses Ergebnis kam eher den Hockenheimern zugute, FM Kountz jedoch fühlte sich gesundheitlich nicht auf der Höhe und wollte seiner Mannschaft wenigstens mit einem halben Punkt helfen.


Oliver Günthner (Weiß) und FM Jochen Kountz einigten sich auf ein frühes Remis.

Es dauerte nicht lange, da stand das zweite Unentschieden fest. An Brett 4 brachte nach 14 Theoriezügen in der Nimzoindischen Eröffnung ein selten gespielter Zug von Schwarz FM Raupp derart aus dem Konzept, dass er sich in ausgeglichener Stellung und bei vollem Brett lieber auf ein Remis einließ, statt Experimente zu wagen.


IM Nekrasov überraschte mit Schwarz den Untergrombacher FM Thomas Raupp mit einem selten gespielte Zug.

Die restlichen Partien waren bitter umkämpft, hier wollte jeder der Protagonisten den vollen Punkt. Sehr erfreulich war, dass zwischenzeitlich die Besucherzahl beinahe zweistellige Werte erreichte, was auch an den Schachfreunden aus Bruchsal lag, die diesen Oberligakampf zum Kiebitzen und Analysieren nutzten. Sie sahen spannende Partien, die allmählich in die oft vorentscheidende Zeitnotphase gingen.

Einer, der sich oftmals viel Zeit lässt, um die besten Zügen zu finden, um dann unter Zeitdruck eine bessere Stellung zu verwerten ist Pascal "Iceman" Nied. Diesmal hatte er es am dritten Brett mit IM Dr. Hannes Rau zu tun, der zwar sein erstes Spiel in dieser Saison machte, aber bei einem ELO-Unterschied von fast dreihundert Punkten ein mehr als ernstzunehmender Gegner war. Nied ließ prophetische Gaben aufblitzen, hatte er sich doch gerade auf diesen Gegner bestens vorbereitet. In der Abtauschvariante des Damengambits musste sich Nied mit den schwarzen Steinen einem Königsangriff des Gegners erwehren. Weiß brachte seinen Figuren am Königsflügel in Stellung und bewegte seine Bauernarmee nach vorne, doch der Iceman blieb cool  und fand die besten Verteidigungszüge und mit Gegenspiel am Damenflügel auch eine sehr aktive Idee. Zwar ließ auch Nied eine Großchance aus, sein Gegenspiel war aber so druckvoll, dass Weiß vor ständige Probleme gestellt wurde.


IM Dr. Rau - Nied, Stellung nach 33. Tgg1

In der abgebildeten Stellung hatte Weiß gerade den Turm auf der g-Linie nach g1 zurückgezogen. "Iceman" Pascal Nied fand unter Zeitdruck den entscheidenden taktischen Schlag: 33. ... Le2!! 34. Lh4 (34. Dxc2 Txc2 35. Td6 Lf3+ 36. Kh2 Txf2+) Lf3+ 35. Kh2 Lxd1 36. Txd1 b3 37. Le1 Ted9 0 - 1

Dies war der erste dokumentierte Sieg in einer Turnierpartie von Pascal Nied gegen einen Internationalen Meister, wir sind sicher, dass noch etliche weitere folgen werden!


Pascal Nied besiegte mit Schwarz IM Dr. Hannes Rau.

Und der Gastgeber legte nach! Markus Krieger setzte in der Nimzowitsch-Variante der Caro-Kann-Verteidigung seinen Gegner unter Druck und stellte die schwarze Dame am Damenflügel kalt. Schwarz musste die Qualität geben, als es Weiß gelang, einen Springer auf d6 einzupflanzen und zudem war es um die schwarze Königssicherheit schlecht bestellt. Krieger drohte, die c-Linie zu öffnen und erhöhte so den Druck. Diesem konnte Schwarz nicht standhalten: In weißer Gewinnstellung ließ der Hockenheimer Mannschaftsführer im 33. Zug die Zeit ablaufen und der SCU führte mit 3:1.


Der Druck wurde zu groß: Markus Krieger sammelte den vollen Punkt für seinen Verein ein.

Dann wurde es tragisch: IM Heinz Fuchs hatte zunächst mit Schwarz in einer Partie, die als Sizilianische Verteidigung begann und dann in eine französische Verteidigung transformiert wurde, Stellungsvorteil errungen. In wilden taktischen Verwicklungen gewann Fuchs einen Bauern, jedoch auf Kosten eines weißen Freibauern auf der c-Linie. In zunehmender Zeitnot auf Untergrombacher Seite konnte Weiß den Bauern zurückgewinnen, die Stellung war objektiv aber noch für Schwarz zu verteidigen. Im 39. Zug kam dann der entscheidende Fehlgriff von Schwarz, Weiß gewann eine Figur und IM Heinz Fuchs musste die Hand reichen. An diesem Brett hatte der SC Untergrombach auf ein anderes Ergebnis gehofft, aber der weiße Sieg war nicht unverdient aufgrund der besseren Zeiteinteilung.


Setzten das Brett unter Feuer: FM Postoev-Birkenberg (Weiß) und IM Heinz Fuchs.

Am Spitzenbrett hielten sich die beiden Großmeister David Baramidze (Hockenheim) und Yuri Solodovnichenko (Untergrombach) nicht lange mit Theorie auf: im elften Zug im Keres-Angriff in der Sizilianischen Verteidigung packte Baramidze eine Neuerung aus (11. Ld3), fortan verbrauchte der Untergrombacher Großmeister beständig mehr Zeit, als sein Gegenpart. Aufgrund der Schärfe der Stellung mit gegenläufigen Rochaden wollte auch gut und weit gerechnet werden. Solodovnichenko machte auch alles richtig und hatte im Mittelspiel objektiv leichten Vorteil. Dieser verflüchtigte sich zunehmend und in der Zeitnotphase (nur Schwarz war in Zeitnot) drehte Weiß mit einem trickreichen Zug das Blatt und der Angriff am Königsflügel trug Früchte in Form eines Freibauern auf h7 (!). Schwarz konnte die Stellung nicht halten und musste einen Zug vor dem Matt aufgeben.


GM David Baramidze (Weiß) behielt die Oberhand in einer scharfen Partie gegen GM Yuri Solodovnichenko.

Hockenheim hatte mit diesem Sieg auch den Kampf gedreht und ausgegelichen! Beim Stand von 3:3 spielten noch GM Rogic und FM Schneider. Während Bernd Schneider auf der Suche nach dem Gewinnweg gegen den hartnäckig verteidigenden Jürgen Möldner war, hatte GM Rogic ein Doppelturmendspiel auf dem Brett. Hier gingen die Meinungen der anwesenden Meisterspieler weit auseinander: Von "keiner kann gewinnen" über "Weiß steht klar besser" zu "Schwarz steht klar besser" - ein klares Anzeichen für eine höchst unklare Stellung.

In der Partie von FM Bernd Schneider kam dieser in der Reti-Eröffnung nach einigem Geplänkel im Mittelspiel zu einer höchst aktiven Figurenstellung mit Dame und dem Läuferpaar, während Schwarz unter einer sehr unsicheren Königsstellung litt und mit Dame und Springer und Läufer permanent die weißen Drohungen verteidigen musste. Eine Gewinnidee war aber extrem schwer zu finden und wahrscheinlich gab es auch gar keine, denn bei bester Verteidigung kann Schwarz die Stellung immer irgendwie halten und Jürgen Möldner hat exzellent verteidigt. So blieb es am Ende bei Remis und nun hing alles am Brett von GM Davor Rogic.


Fm Bernd Schneider spielte mit Weiß auf Gewinn, kam in Vorteil, aber Schwarz verteidigte hartnäckig - (nur) Remis.

GM Davor Rogic hatte im klassischen System der Sizilianischen Verteidigung zunächst perfekt gespielt und meisterlich Druck gegen den rückständigen schwarzen Bauern auf d6 aufgebaut. WIM Sieber hatte aber gute Verteidigungsideen und die Partie wurde mit Erreichen der Zeitkontrolle zu einem Doppelturmendspiel, was objektiv ausgegelichen war. Weiß war zwar mit einem Turm an die Verteidigung seines Bauern auf b2 gebunden, hatte aber den König an den Damenflügel überführt und damit den zweiten Turm aktivieren können. Nachdem ein weiteres Turmpaar getauscht war, kam es zur folgenden Stellung:


GM Rogic - WIM Sieber, Stellung nach 57. ... b4

Diese Stellung ist objektiv Remis, aber Weiß muss die korrekte Verteidigung finden und hier hilft nur 58. Txg7 Kf3 59. Tg5 e3 60. Txh5 e2 61. Te5 e1D 62. Txe1 und das Endspiel ist Remis, weil sich der schwarze Turm für den Freibauern auf der c-Linie opfern muss, nachdem Schwarz den g- und h-Bauern abgeräumt hat. Weiß aber zog 58. b5?? und der schwarze Freibauer ist nicht mehr zu halten.


Fehlgriff im Turmendspiel: GM Davor Rogic wurde zur tragischen Figur im Kampf gegen WIM Fiona Sieber.

Mit dieser Niederlage endet der Kampf in einer bitteren 3,5:4,5-Niederlage für den SC Untergrombach. Für den SCU wird es nun ganz schwer, auf der kommenden Zielgeraden noch den Klassenerhalt zu sichern. Helfen würde ein Punktgewinn in der kommenden Begegnung gegen den SK Ettlingen am 5. Februar.

Partien

-
15.01.2023