2. Mannschaft Fünfter Spieltag

Verbandsliga Nord - Verbandsrunde 2025/26

Absteiger aus Oberliga: SC Eppingen 2
Aufsteiger aus Landesliga: SC Untergrombach 3, SC Neckargmünd

Mannschaftsführer: Ralf Toth

Fünfter Spieltag: 01.02.2026

SSV Bruchsal

2001 -

SC Untergrombach 2 (N)

1892

4½ - 3½

SK Ettlingen 2 2060 - Mosbacher SC 1839

7 - 1

SC Viernheim 3 1958 - BG Buchen 2043

3½ - 4½

SC Pforzheim 1971 - SC Neckargmünd (N) 1858

5½ - 2½

SF Bad Mergentheim 3 1915 - SC Eppingen 2 (A) 1975

3½ - 4½

Fünfter Spieltag: Einzelergebnisse

Brett

SSV Bruchsal

DWZ  

SC Untergrombach 2

DWZ

Ergebnis

1 Eberhart, Erik 2112 - FM Raupp, Thomas 2243

½

2 Geweniger, Tim 2035 - Doll, Stefan 2108

1 - 0

3 Schmitt-Schott, Joscha 2025 - FM Dr. Sieglen, Joachim 2110

0 - 1

4 Dr. Werner, Martin 2047 - Bopp, Sven 1854

1 - 0

5 Wegmer, Leon 1940 - Jung, Niklas 1802

1 - 0

6 Wellenreich, Tim 1944 - Wettstein, Levin 1731

0 - 1

7 Hochscheidt, Lukas 1884 - Burkhardt, Tim 1687

0 - 1

8 Göttel, Tobias 2026 - Shapiro, Leon 1598

1 - 0

Fünfter Spieltag: Tabelle

Rang Mannschaft Spiele Punkte Brettpkt. BW DWZ-Schnitt

1.

SK Ettlingen 2

5

9:1

26

114½

2047

2. BG Buchen 5 9:1 23½ 99½ 2037
3. SC Untergrombach 2 (N) 5 6:4 23 102½ 2009
4. Mosbacher SC 5 5:5 20 90½ 1942
5. SSV Bruchsal 5 5:5 19 96½ 1987
6. SC Pforzheim 5 5:5 17½ 75 2014
7. SC Eppingen 2 (A) 5 4:6 19 101½ 1955
8. SC Viernheim 3 5 3:7 18½ 77 1939

9.

SF Bad Mergentheim 3

5

3:7

17½

28½

1887

10.

SC Neckargmünd (N)

5

1:9

16

70

1861

Spielbericht

Von Florian Simon

Fünfter Spieltag der Verbandsliga Nord: Derbytime! Die zweite Mannschaft des SCU durfte sich auf Auswärtsfahrt zum SSV Bruchsal begeben. Vor zwei Jahren war man einander noch eine Etage tiefer in der Landesliga begegnet, eine aus Untergrombacher Sicht wenig erfreuliche Erinnerung (Bruchsal gewann 3,5:4,5, das letztendlich meisterschaftsentscheidende Match). Dass es mit der Revanche aber nicht einfach werden würde, war bereits im Vorhinein abzusehen. Denn neben der Abwesenheit der nach Oberligaeinsätzen gesperrten Spieler musste der SCU noch einige weitere Ausfälle verkraften. Mit Levin Wettstein und Leon Shapiro rückten zwei Jugendspieler nach, die nach guten Leistungen nun erstmals Verbandsligaluft schnuppern durften. Neu im Team war zudem FM Joachim Sieglen, der nach langer Pause sein ersehntes Comeback für die Untergrombacher Farben geben konnte.

Beim Blick auf die Bruchsaler Aufstellung bestätigte sich sogleich die Befürchtung, dass das Heimteam mit seiner bestmöglichen Truppe antreten würde. Der SCU musste sich angesichts des 100 Punkte niedrigeren DWZ-Schnitts in der Rolle des Underdogs gefallen, war aber gewillt dem zu trotzen.

Aus Sicht der Bruchsaler begann alles nach Plan. Denn Niklas Jung kam in einem Anfall der gefürchteten Schachblindheit früh eine Figur abhanden. Im Sinne der Mannschaft quälte er sich noch einige Zeit lang, die Stellung war aber bereits zu vereinfacht, um auf diesem Niveau auch nur ansatzweise Schwindelchancen zu generieren. 1:0 für Bruchsal.

Tim Burkhardt spielte mit Weiß gegen die Moderne Verteidigung und wählte einen ruhigen Aufbau, der ihm einen komfortablen Vorteil verschaffte und erst einmal keine Angriffsziele bot. Der Schwarzspieler musste auf engem Raum manövrieren und fand keinen konstruktiven Plan, da jeglicher Ausbruchsversuch seinen im Zentrum verbliebenen König gefährdet hätte. Schließlich öffneten sich Linien am Königsflügel, wo ein unförmiger Klumpen aus schwarzen Leichtfiguren immerhin kein Eindringen der gegnerischen Armee zuließ. Doch die Diagonale c8-h3 war nun empfindlich geschwächt und wurde sogleich von Burkhardts gegenpartlosem weißfeldrigen Läufer unter Beschlag genommen – die lange Rochade konnte Schwarz nun also auch vergessen. In einer Hommage an das anstehende grenke Freestyle Open vertauschte der Bruchsaler notgedrungen König und Dame auf der Grundreihe und stieß dann nach der langen Rochade des Weißen die a- und b-Bauern vor. Mit nur einer Figur im „Angriff“ (Turm auf a8) hatte dieser keine Erfolgsaussichten und Burkhardt legte sich bereits den Gewinnplan zurecht. Er ließ einen Bauern nach c5 marschieren, der seinen schwarzen Kollegen von d6 weglenkte, um dann d5-d6 folgen zu lassen mit nicht zu verteidigender Mattdrohung. Ein souveräner Sieg des Untergrombachers, der seinen Gegner geduldig ausmanövrierte und im richtigen Moment eiskalt zuschlug. Das Match war wieder ausgeglichen.

An Brett 8 musste Debütant Leon Shapiro mit Schwarz ein ganz dickes Brett bohren, denn die Bruchsaler haben hier taktisch noch einmal einen Spieler mit über 2000 DWZ platziert. Im Alapin-Sizilianer ging es taktisch früh zur Sache, wobei recht bald die Damen getauscht wurden. Weiß verlor das Rochaderecht, doch Schwarz büßte im Gegenzug den im Rahmen einer Tauschoperation auf f3 gestrandeten Bauern ein. Das Endspiel mit Türmen und Springern war objektiv bereits verloren, Shapiro hatte auch keinerlei Gegenspiel, während der Weißspieler seine Stellung Stück für Stück verbesserte. Nach dem Tausch der Springer entschied die weiße Bauernmehrheit am Damenflügel die Partie. 2:1 für Bruchsal.

Rückkehrer FM Joachim Sieglen spielte mit Weiß gegen einen Benoni-Aufbau. Seinen Raumvorteil bezahlte er dabei mit geschwächten schwarzen Feldern rund um seinen König, welche auch sogleich von den gegnerischen Springern anvisiert wurden. Mit einer Läuferumgruppierung nach f2 hielt Weiß diese Felder gedeckt und bereitete gleichzeitig ein temporäres Bauernopfer zur Öffnung des Damenflügels vor. Bei der Ausführung desselben geschah dann aber ein kleines Malheur, denn Schwarz hätte durch einen Abzug auf die weiße Dame mit einem Mehrbauern zurückbleiben können – beide Spieler übersahen diese Gelegenheit. Die Partiefortsetzung erlaubte Sieglen die Damen zu tauschen und mit seinem Turm in die gegnerische Stellung einzudringen. Bereits ein wenig verzweifelt setzte Schwarz zu einem taktischen Schlag an, der allerdings einfach eine Qualität verlor. Der Rest war Technik und Sieglen krönte sein Comeback mit einem Sieg, welcher den 2:2-Ausgleich bedeutete.

Sven Bopp musste sich mit Schwarz des Trompovsky-Angriffs erwehren. Weiß spielte eine weniger ambitionierte Variante, schloss das Zentrum und blieb mit einem rückständigen Bauern zurück. Allerdings musste Schwarz Zeit investieren, um das Problem seines unterentwickelten Damenflügels zu lösen – Zeit, in der Weiß den rückständigen Bauern loswurde und Kontrolle über die offene c-Linie erhielt. Nun hätte Bopp wohl stillsitzen müssen, denn sein Gegner konnte keinen wirklichen Fortschritt machen ohne Schwächen im eigenen Lager zu hinterlassen. Stattdessen hebelte der Schwarzspieler das Zentrum an und suchte Gegenspiel, was letztendlich taktisch zum Scheitern verurteilt war. Eine Figur ging verloren und die lange Zeit offene Partie war nun doch zugunsten des Bruchsalers gekippt. 3:2 für das Heimteam.

An Brett 2 zeigte Stefan Doll eine ungewohnte Seite. Angesichts des allgemeinen Untergrombacher Spielstärkenachteils sah er sich gezwungen mit Schwarz auf Gewinn zu spielen. Kein leichtes Unterfangen in der zwischen den beiden Spielern normalerweise zu erwartenden Variante, weshalb er sich für die sogenannte Dzindzi-Indische Verteidigung entschied, die hoffentlich nicht nur dem Berichterstatter bislang nicht von Begriff war. Es handelt sich dabei um ein Benoni-Holländisch-Hybridsystem, bei welchem Schwarz seinen Läufer auf g7 gegen den weißen Springer auf c3 tauscht. Dolls Plan Ungleichgewichte zu schaffen, ging damit auch erst einmal auf. Doch Weiß steckte keineswegs zurück und bot einen Bauern zum Opfer an, um seine Entwicklung zu beschleunigen. Hier ereignete sich bereits der partieentscheidende Fehler, denn Doll schlug zu und die weißen Figuren erwachten zum Leben. Die löchrige schwarze Königsstellung erlaubte dem Weißspieler eine Drohung nach der anderen aufzustellen, was schlussendlich im Gewinn von gleich vier Bauern resultierte. Die Uhr war das Einzige, was den Untergrombacher im entstandenen Doppelturmendspiel noch hätte retten können – aber auch mit nur noch 30 Sekunden wusste sein Gegenüber ein zwischenzeitlich angedrohtes Matt zu verhindern und die Partie etwas später zum Sieg zu führen. Bruchsal erhöhte auf 4:2 und es sei angemerkt, dass 1. …g6 den Schwarzspielern an diesem Tag 0/3 bescherte!

Auch der zweite Untergrombacher Verbandsligadebütant, Levin Wettstein, durfte die schwarzen Steine führen. Aufs Brett kam die Hauptvariante der Schottischen Eröffnung, Wettstein zeigte sich theoriefest und erreichte mühelos Ausgleich. Sein Gegner opferte einen Bauern, nicht ohne Kompensation, aber ein erster Schritt in die falsche Richtung. Denn nun verlor Weiß den Faden und stellte aufgrund eines taktischen Übersehers nur wenige Züge später eine Qualität ein. Wettstein hatte Gewinnstellung erreicht, sah sich fortan aber trickreicher Gegenwehr ausgesetzt. Leichtfiguren, Bauern und König am Damenflügel des Schwarzen standen einander auf den Füßen und mussten langsam entknotet werden, was Weiß durch den Vorstoß seiner Bauern zu unterbinden versuchte. Als Wettsteins Läufer auf a8 eingesperrt war, verpasste sein Gegner eine letzte Chance zur Rettung und suchte stattdessen sein Heil in der Aufstellung taktischer Drohungen, die der Untergrombacher aber korrekt zu widerlegen wusste. Schritt für Schritt sortierte Schwarz seine Figuren, erzwang Abtäusche und gab am Ende die Qualität zurück um in ein gewonnenes Bauernendspiel abzuwickeln. Der weiße König wies hierbei nicht die nötige Dehnbarkeit auf, um die schwarzen a- und h-Bauern zugleich aufzuhalten. Eine enorm starke Partie von Wettstein, der keine gelungenere Verbandsligapremiere hätte feiern können. Auch aus Matchsicht ein ganz wichtiger Sieg, denn Untergrombach verkürzte auf 4:3 und war weiterhin im Rennen um zumindest einen Mannschaftspunkt.

Am Spitzenbrett diskutierte FM Thomas Raupp mit seinem Gegner eine der Hauptvarianten der Nimzo-Indischen Verteidigung. Schwarz ließ sich einen Doppelbauern am Königsflügel verpassen, doch Weiß hatte viele Tempi mit Damenzügen verloren und war noch nicht genügend entwickelt, um daraus sofortiges Kapital zu schlagen. Auffällig war der frühe hohe Zeitverbrauch beider Spieler, der später Probleme mit sich bringen sollte. Nach einer Reihe von Abtäuschen war nämlich ein enorm rechenintensives Springerendspiel entstanden, welchem man in Zeitnot kaum gerecht werden konnte. Weiß hatte den aktiveren König und eine 2-gegen-1-Mehrheit am Damenflügel, dafür trieb der schwarze Springer am Königsflügel sein Unwesen und ging dort auf Bauernjagd. Die Engine zeigt einen Gewinnweg für Weiß – ein Abwartezug (35. Kb3!) beugt Gegenspiel vor und schafft die Möglichkeit einer Springerumgruppierung, welche viele Züge und Details später das Voranbringen der Bauernmehrheit erlauben würde. Raupp entschied sich stattdessen für den weitaus intuitiveren Weg sofort mit dem König loszumarschieren und die Bauern zu unterstützen. Nun drohte Schwarz jedoch selbst einen Freibauern zu schaffen und es stand eine heikle Entscheidung an.

FM Raupp – Eberhart, Stellung nach 37. …Se3

  1. b6+ ist der einzige Gewinnversuch für Weiß, aber geht das schnell genug? 38. b6+ axb6+ 39. axb6+ Kb8 40. Sa5 Sxg2 41. Kb5 f3 42. Ka6?? f2 43. Sc6+ Kc8 44. b7+ Kd7 45. b8D f1D+ und Schwarz gewinnt, weil er mit Schach einzieht und den Damentausch erzwingen kann. Ein besserer Versuch ist 42. b7, wobei Weiß nach 42. …Kc7 43. Ka6 f2 44. Ka7 f1D 45. b8D+ viele Schachs, aber keinen Gewinn hat, und sogar 42. …Ka7 43. Kc6 Sf4 44. Kc7 Sd5+ 45. Kc8 Sb6+ den Laden zusammenhält. Für Weiß ist also tatsächlich nicht mehr als ein Remis zu holen! In großer Zeitnot hatte Raupp ohnehin keine Chance all diese Varianten durchzurechnen und zog die Notbremse. Mit 38. Sd2, gefolgt von 39. Sf3 und 40. Kd4 gab er seine Hoffnungen am Damenflügel auf, um die gegnerischen Bauern einzufangen. Letztendlich konnte Schwarz mit erst einem, und dann sogar zwei Mehrbauern noch ein wenig auf Gewinn spielen, doch Weiß behielt die Lage unter Kontrolle – Remis nach satten sechs Stunden Spielzeit.

Das hochspannende Derby endet also wie schon das letzte Aufeinandertreffen mit einem 4,5:3,5-Sieg der Bruchsaler, wobei der SCU an diesem Tag nicht nur die Erwartungen übertraf, sondern sich tatsächlich ein wenig ärgern darf, dass es nicht zu mehr gereicht hat. Schachlich ging es an fast allen Brettern wild zu, sieben entschiedene Partien sprechen für sich. In der Ligatabelle verbleibt der SCU damit auf Rang drei und führt ein breites Mittelfeld an. Am nächsten Spieltag steht die ungleich längere Auswärtsfahrt zum SC Eppingen 2 an, wo nach zwei Niederlagen in Folge wieder gepunktet werden soll.

 

Partien

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01.02.2026